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Bezirke

Berlin-Charlottenburg zwischen Tradition und Moderne

Charlottenburg ist einer der traditionsreichsten Ortsteile von Berlin. Heute liegt Charlottenburg im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Im Osten grenzt es direkt an den Bezirk Mitte. Charlottenburg wurde 1705 als eigenständige Stadt gegründet, wuchs aber im Laufe des 19. Jahrhunderts mit Berlin zusammen. 1920 wurde es nach Groß-Berlin eingemeindet. Bis 2001 war Charlottenburg noch ein eigener Bezirk, heute ist es lediglich ein Ortsteil.

Ort preußischer Traditionen

Namensgebend für den Ortsteil war Sophie Charlotte von Hannover, die 1701 an der Seite von Friedrich I. zur ersten preußischen Königin gekrönt wurde. Bereits 1696 hatte sie von ihrem Mann, im Austausch für das von ihr besessene Caputh in Potsdam, das Gut Lietzow im heutigen Charlottenburg bekommen. Kurz darauf verfügte sie dort den Bau einer Sommerresidenz. 1699 wurde das noch heute berühmte Schloss eingeweiht, das nach wie vor ein bedeutendes Wahrzeichen des Ortsteils darstellt. Nach dem Tod der Königin 1713 fristete das Schloss ein Schattendasein, kam aber später unter Friedrich dem Großen zu neuen Ehren. Fortan lebte eine Reihe preußischer Prinzen mit ihren Familien darin, bis das Schloss 1888 endgültig für Besucher geöffnet wurde.

Zentrum des aufstrebenden Bürgertums

Im 18. und frühen 19. Jahrhundert war Charlottenburg noch eine idyllische Erholungsregion für die Bewohner des nahen Berlins gewesen. Es besaß zu dieser Zeit noch eine ländliche Prägung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte jedoch mit der rapide fortschreitenden Industrialisierung in Deutschland auch schlagartig das Wachstum in Charlottenburg ein. Neue Industriebetriebe, Fabrikanten und Arbeiter zog es gleichermaßen in die Region. Zu den ersten Pionieren, die sich hier ansiedelten, gehörte Werner Siemens. Charlottenburg gehörte zu den ersten Berliner Vororten mit Gaslaternenbeleuchtung. Die Einwohnerzahl betrug 1875 etwa 25.000, zur Jahrhundertwende wurden die 100.000 schon deutlich überschritten. 1910 waren es über 300.000 Einwohner. Die Stadt platzte aus allen Nähten.

Soziale Gegensätze zeichnen sich ab

Die sozialen Folgen dieser Entwicklung ließen nicht lange auf sich warten. Den reichen Fabrikaten in ihren Villenvierteln standen Heerscharen von Arbeitern entgegen, die sich mit ihren Familien in den engen und dunklen Mietskasernen auf engstem Wohnraum drängten. Hohe Grundstückspreise trieben bereits damals die Mieten in unbezahlbare Höhen, die meisten Menschen hatten nur wenige Quadratmeter für sich zur Verfügung. Fließendes Wasser gab es in den einfachen Haushalten so gut wie nicht. Der in Charlottenburg lebende Künstler Heinrich Zille hat diese Verhältnisse eindrucksvoll für die Nachwelt dokumentiert.

Die 20er Jahre – Eine Blütezeit Charlottenburgs

In den 20er Jahren erlebte der Ortsteil einen neuen Höhepunkt. Vor allem der Kurfürstendamm entwickelte sich jetzt zur Flaniermeile für Künstler und Vergnügungssüchtige. Zahlreiche Cafés, Geschäfte und Lichtspielhäuser wurden eröffnet. Die Glitzerwelt des „Kudamms“ wurde für die Berliner zum Inbegriff der „Goldenen 20er“. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich Charlottenburg dadurch zum angesagten Szeneviertel und ließ sogar die Linden, als bisheriges kulturelles Zentrum Berlins, alt aussehen.

Diktatur, Krieg und Teilung verändern das Gesicht Charlottenburgs

In den 30er Jahren kam es in Charlottenburg zu radikalen Umgestaltungen im Zuge des Aufbaus der von den Nazis geplanten, aber letztlich nie fertig gestellten „Welthauptstadt Germania“. Weniger später fügte der Bombenkrieg auch diesem Stadtteil Berlins schwere Schäden zu, unter anderem wurde das Schloss getroffen und die Kuppel brannte aus. Die schwer beschädigte Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche mahnt noch heute an die Schrecken des Krieges. Nach dem Krieg wurde Charlottenburg ein Teil West-Berlins. In den 50er und 60er Jahren kam es zu einer regen Bautätigkeit, welche die durch den Krieg geschaffenen Lücken schnell wieder ausfüllte. Allerdings begann in den 70er und 80er Jahren die Bewohnerzahl zu stagnieren, Charlottenburg galt als dröge und unattraktiv.

Nach dem Mauerfall rasant zu alter Form

Heute liegt Charlottenburg wieder voll im Trend und hat seine alte Rolle als Kulturviertel zurückerobern können. Nicht umsonst hatte der berühmte Fotograf Helmut Newton gerade diesen Standort für sein Museum der Fotografie ausgewählt. Der Zoo-Palast gilt seit seiner Wiedereröffnung im Jahre 2013 als eines der angesagtesten Kinos der Stadt. Auch wenn hier nicht so sehr der Bär steppt wie in den Bezirken östlich der Mitte, hat Charlottenburg dennoch ein breites Angebot an Restaurants, Cafés und Bars. Es geht hier eben alles etwas ruhiger und gediegener zu.

Immobilienpreise in Charlottenburg im Aufwind

Die Immobilienpreise sind dementsprechend in den letzten Jahren stark gestiegen. Sie folgen damit natürlich auch dem allgemeinen Trend in der Hauptstadt. Aufwarten kann Charlottenburg vor allem mit exklusivem Wohnraum. Wer einmal vom Zoo zum Savignyplatz spaziert, der sieht mit eigenem Auge, warum Charlottenburg einmal zu den reichsten Bezirken der Stadt gehörte. Die Fassaden der Bürgerhäuser sind an Opulenz kaum zu überbieten. 8000 Euro müssen hier für den Quadratmeter berappt werden. Günstig wohnt es sich dagegen noch in der Region nördlich des Schlosses.

Spandau – Teil von Berlin außerhalb der Großstadt

Wenn von Spandau die Rede ist, so ist im engeren Sinne der Ortsteil Spandau nordwestlich von Westend gemeint. Im weiteren Sinne bezeichnet der Name den Bezirk Spandau mit den zusätzlichen Ortsteilen Hakenfelde, Haselhorst, Siemensstadt, Staaken, Falkenhagener Feld, Wilhelmstadt, Gatow und Kladow.

Militärische Vergangenheit

Entwicklungskern des späteren Spandaus ist die 1594 errichtete Zitadelle Spandau. Sie dominiert noch heute den Ortskern und gehört dort zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des Ortsteils. Während der Napoleonischen Kriege war die Zitadelle hart umkämpft. Hier lagerten später auch die Unmengen an Gold, die Deutschland 1871 nach dem Deutsch-Französischen Krieg als Kontribution bekommen hatte. Anschließend erlangte Spandau vor allem Berühmtheit als Standort der preußischen Rüstungsindustrie. Die Nähe zur Havel prädestinierte den Stadtteil für den Wassertransport. Schon 1722 war in Spandau auf Geheiß des preußischen Königs eine Gewehrfabrik gegründet worden. Um 1900 siedelten sich hier Munitionsfabriken an, während des Ersten Weltkrieges lief die Munitionsherstellung auf Hochtouren. Das gefürchtete Maschinengewehr 08/15 wurde hier gebaut. Auch heute noch kann man dem Bezirk seine militärische Vergangenheit aufgrund der typischen preußischen Architektur ansehen.

Spandau nach der Wende ohne Orientierung

Nach dem Ende des Deutschen Reiches verlor Spandau als Industriestandort mehr und mehr an Bedeutung. Während der deutschen Teilung gab es hier große Lager für die Stadtversorgung und die Briten hatten sich eingerichtet. Mit dem Mauerfall zog daher zunächst gähnende Leere in Spandau ein. Die alten Industriegelände verwahrlosten, Vandalismus war an der Tagesordnung. Ein Bebauungsplan der Stadtverwaltung sah vor, hier mehrere tausend Wohnungen zu schaffen. Aufgrund mangelnder Nachfrage verlief dieses Vorhaben aber nach der Jahrtausendwende im Sande.

Spandau heute

In den letzten Jahren ist Spandau wieder zu einem belebten Viertel Berlins geworden. Dazu trägt auch die Nähe zur Havel bei, die heute vor allem Erholungszwecken dient. Nachdem das Wohnen am Wasser wieder groß in Mode gekommen ist, wird Spandau für Immobilienfirmen immer interessanter. Auf der Insel Eiswerder sind in den Gebäuden einer alten preußischen Fabrik zum Beispiel neue Wohnungen entstanden, die gekonnt das Alte mit dem Modernen verbinden. Auf der Insel Gartenfeld, direkt am Hohenzollernkanal, soll demnächst eine ganze Siedlung mitsamt Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten entstehen, wo früher sich früher ein großes Gewerbegebiet befand.

Wohnen in Berlin mit Kleinstadt-Feeling

Spandau profitiert dabei auch von den typischen Vorteilen einer Vorortlage. Hier ist es ruhig und idyllisch, mit Zug und S-Bahn ist man allerdings in wenigen Minuten in Berlin. Daran orientieren sich auch die Pläne der Architekten. Wer in Spandau lebt, der möchte sich nicht in enge Reihenhäuser zwängen. Grünflächen, Frischluft und Ellenbogenfreiheit diktieren hier die Stadtentwicklung. Havelblick, am besten noch mit Balkon, steht ganz oben auf der Wunschliste vieler Interessenten. Spandau spricht auch sportliche Naturen an. Hier lässt es sich ausgezeichnet Joggen, Schwimmen oder Radfahren. In der Berliner Mitte sind solche Freizeitaktivitäten kaum ohne Stress denkbar.

Immobilienpreise noch niedrig

Dabei gehören die Immobilienpreise in Spandau (noch) zu den niedrigsten in ganz Berlin. Mit durchschnittlich 1600 Euro pro Quadratmeter sind Wohnungen hier beinahe nur halb so teuer wie in den zentrumsnahen Bezirken. Allerdings ist zu erwarten, dass mit steigendem Bedarf auch hier die Preise weiter steigen werden. Wer in Berlin eine preiswerte Immobilie in ruhiger Umgebung und dennoch mit guter Anbindung sucht, der sollte Spandau unbedingt in die Suche mit einbeziehen.